* Brieftaubenzüchter sprechen von Sonnennebel, wenn im Frühjahr oder im Sommer die Sonne aufgeht, während die Erde noch nebelbedeckt ist. Dann fürchten sie um ihre Tiere, die sich auf Reisen befinden. Im Sonnennebel verlieren Tauben leicht die Orientierung und finden erst spät oder niemals den heimatlichen Schlag. *
Nach “Dublin Street. Gefährliche Sehnsucht” und “Himmelstiefe” präsentiere ich euch heute im Zuge der #52weeks52books-Challenge Nr.3 aus meinem Bücherschloss: Sonnennebel.
Wenn ich mir Bücher spontan kaufe, weil mir der Titel oder die Inhaltsangabe gefällt, wandern sie meist erst einmal in mein Regal. Dort verstauben sie ein wenig und irgendwann, nach viel zu langer Zeit, ziehe ich sie hervor und denke mir: Wo kommt das denn her? Das hat aber einen schönen Titel, das solltest du endlich einmal lesen…
„Sonnennebel“ war genau so ein Fall.
Ich stöberte eines schönen Tages in einer wunderbaren Buchhandlung, die nur Mängelexemplare verkauft, herum (es sieht dort ein bisschen so aus wie bei Ollivanders ♥) und entdeckte dieses zauberhafte Taschenbuch. Der Titel klang so schön und der Klappentext verriet nicht allzu viel, also nahm ich es mit. Gelesen habe ich es erst einmal nicht. Bis ich letzte Woche vor meinem Bücherregal stand und mir meine Lektüre Nr. 3 für dieses Jahr aussuchte.

Es ist ein relativ dünnes Büchlein, dessen Geschichte in einem Dorf im Ruhrgebiet Mitte der fünfziger Jahre spielt. Protagonist ist ein sechzehnjähriger Junge, Freddy, der seine Eltern in jungen Kindsjahren verloren hat und nun bei seiner Tante aufwächst. Er geht zur Schule, hat wenig Freunde und seine große Leidenschaft ist die Brieftaubenzucht.
Großartig viel passiert nicht auf den 286 Seiten. Freddy macht sich seine Gedanken um das Leben, eckt immer wieder in der Schule an, hat Probleme mit seinem Lehrer und der Polizei und plant, sobald es ihm möglich ist, mit seiner ersten großen Liebe Cornelia das Dorf hinter sich zu lassen und in die große Welt zu ziehen. Aber bis dahin ist noch ein weiter Weg… Das Buch ist sehr liebevoll geschrieben, die Charaktere haben alle ihren ganz persönlichen Charme. Es hat mir sehr viel Freude bereitet, mich in diese Geschichte zu stürzen und die Welt einmal aus einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten.
Im Großen und Ganzen ist es ein Roman, über den ich nicht viele Worte verlieren sollte. Ich lege ihn euch einfach ans Herz und hoffe, ihr mögt ihn genauso wie ich.
Über Hermman Schulz:
1938 in Nkalinzi, Ostafrika, geboren, verbrachte Hermann Schulz seine Kindheit und Jugend in Moers-Repelen. Nach einer Buchhändlerlehre in Neukirchen-Vluyn ging er in den Bergbau und arbeitete als Gedingeschlepper. Dann machte er sich auf in die Welt und bereiste u. a. Südamerika, Afrika und den Vorderen Orient. Von 1967 bis 2001 leitete Hermann Schulz den Peter Hammer Verlag in Wuppertal. Seine Romane sind alle im Carlsen Verlag erschienen.
Foto: Flickr | lorenkerns
Bildquelle: Carlsen

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